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Monochrome?

Smartphone, Phablet und Verwandte machen die Kamera allgegenwärtig. Auf diese Weise wird die Realität millionenfach dokumentiert und mit anderen geteilt: alleine auf Instagram werden täglich ca. 80 Millionen Photos hochgeladen.

Aber was bedeutet Abbildung der Realität im Zusammenhang mit Photographie? Ist die Kamera objektiv? Dokumentiert ein Photo Realität? Oder liefern Photograph und Technik gemeinsam eine Interpretation der Realität - die dann ihrerseits vom Betrachter noch ein weiteres Mal interpretiert wird? Dazu kommen Manipulationen des Bildes: diese werden vorgenommen seitdem Abzüge erstellt werden, sie sind lediglich im Zeitalter von Photoshop einfacher geworden.

Für mich ist ein Photo eine spezielle Sicht auf eine Situation oder einen Gegenstand: jedes Photo enthält seine subjektive Komponente schon alleine dadurch, dass ich beschlossen habe, in dieser Situation auf den Auslöser zu drucken. Ich habe mich dabei aus zwei Gründen für monochrome Aufnahmen entschieden: ganz im Sinne der klassischen Reportage- und Streetphotographie ist die Blickführung in monochromen Aufnahmen eine ganz andere als in Farbaufnahmen. In der analogen wie in der digitalen Photographie erlaubt es die einfachere Technik der Aufzeichnung zudem, diese Blickführung viel deutlicher herauszuarbeiten.

Die Technik

In der analogen Photographie besteht der Schwarz-Weiß-Film aus einer Gelatineschicht, in die Silberhalogenidkörner eingearbeitet sind. Auftreffendes List führt zu chemischen Reaktionen, die bei der Entwicklung in ein Schwarz-Weiß-Muster umgesetzt werden.

Der analoge Farbfilm besteht aus drei übereinander liegenden Schichten, die jeweils für unterschiedliche Farben (blau, grün, rot) empfindlich sind. Die Zusatzinformation "Farbe" erkauft man sich gegenüber dem Schwarz-Weiß-Film durch ein geringeres Auflösungsvermögen, eine geringere Empfindlichkeit und geringere Kontraste. Daher wurden z.B. in der Erdfernerkundung keine Farbfilme verwendet sondern Multispektralkameras mit Schwarz-Weiß-Filmen (siehe z.B. Skript, S. 97ff).

redaktioneller Alttext

Im Sensor einer Digitalkamera sind die für verschiedene Farben empfindliche Pixel nicht über- sondern nebeneinander angeordnet im Bayer-Muster (s.o.). Die grüne, rote und blaue Filmschicht sind daher leicht gegeneinander verschoben und lückenhaft - im normalen JPEG-Format ist dies alles gegeneinander verrechnet. Diese Interpolation hat wieder den Preis einer Verringerung in Empfindlichkeit und Auflösungsvermögen.

Ein monochromer Sensor nutzt den Helligkeitswert eines jeden Pixels, so dass keine Interpolation erforderlich ist: Auflösungsvermögen und Empfindlichkeit sind deutlich erhöht. Dadurch arbeitet der Sensor genau die Informationen deutlicher heraus, die ein Schwarz-Weiß-Photo definieren: Strukturen und Kontraste.